Der Garten
oder soll ich ihn, wie es ein Ausstellungsbesucher einmal formuliert hat: „Das Paradies“ nennen? Ja, er ist zu einem, eben meinem kleinen Paradies geworden. Wird bewundert, gelobt, und es gibt keinen Strauch, keinen Rhododendron, keine Azalee, keinen Buchs, keine Hortensie, keinen Lavendel, keinen Salbei und wie alle Blumen in den Beeten auch heißen, die nicht von mir gepflanzt, mit Steinen geschützt, gewässert und gepflegt worden wären.



Auch ein Nussbaum, den ein Eichhörnchen auf das Grab meines Vaters gepflanzt hat, wächst jetzt im „kleinen Paradies“ weiter. Denn nach Italien zu fahren, war immer noch einmal sein Wunsch. So ist es denn eben jetzt der Nussbaum und so ein klein wenig er selbst, weil er in meinen Gedanken sofort da ist, wenn ich den Baum sehe.


Und so höre ich denn oft, wenn ich im Garten bin, von oben die Rufe: „Oh, welch wunderbares Anwesen“, „Signora, complimenti, che bello.“ „ La Villa Taranto al Trarego.“

Und wenn ich denn meine Freunde, die mit mir im Haus wohnen frage, ob sie es nicht stört, wenn doch so oft auch fotografiert wird, dann bekomme ich z.B. von Sascha die Antwort: „ Weißt du, wir denken dann, wir dürfen hier wohnen, aber ihr dürft nur von oben gucken.“
Und so liege ich auf der Wiese und sehe den Marienkäfern, den vielen Eidechsen, die in vielen Arten oft auch smaragdfarben schillern,den vielfältigen Schmetterlingsarten, die sich in der Blütenvielfalt tummeln zu, sehe den Maulwurf beim Hochstoßen der kleinen Erdhügel; auch ihm gefällt es hier, höre den Dompfaff trillern, den Kuckuck rufen, den Specht klopfen, die Eichelhäher kreischen, die Graureiher im Tauchbecken nach Fischen Ausschau halten

die Adler über der Wiese kreisen, die Amseln ihre Lieder singen, die Bienen summen und halbstündig den Glockenschlag der Kirche, deren Lied nur nachts verstummt. Und weiß, ja so etwas gibt es eben sonst nur im Paradies.


Auch wenn der Klöppel der Glocke, der sich eines Tages um 12.00 Uhr aus der Glocke selbständig machte, mich nur deshalb beim Unkrautjäten nicht traf, weil ich mich 1 min. zuvor entschloss, doch jetzt zum Haus zurückzugehen, war das vielleicht auch eine Aufforderung eines Engels, der eben gerade in der Nähe war. Auch wenn mich 13 Wespen stachen, weil ich sie dummerweise in ihrem Nest störte, in das ich griff. Auch wenn ich eine Schlange im Rindenmulchsack aufstöberte, die sich natürlich mit einem kleinen Biss wehrte, so weiß ich doch jetzt, dass Vipern am Lago so klein sind, dass sie keinen Menschen töten können. Auch wenn ich mir 2 Rippen brach, weil der Hang, den ich doch gerade mit Granitsteinen befestigen wollte, so steil und glitschig war und ich die beiden Granitplatten, die ich gerade trug, nicht loslassen wollte. So weiß ich doch heute, dass man den Schmerz gar nicht mehr so spürt, wenn man danach einfach weitermacht. Und dass es nachts im Bett, eben im Liegen am schmerzhaftesten ist.
Mit all diesen Lernschritten, die ich nur in diesem Garten tun konnte, mit allen meinen kleinen, großen, kriechenden, fliegenden, raschelnden, singenden und summenden Mitbewohnern ist es eben das kleine Paradies Traregos.


Seht es Euch an, vielleicht staunt ihr mit mir?